
Reiseführer · Seitentäler
Sertigtal: Sertig Dörfli und Ducan-Wasserfall
Das schönste Ende von Davos liegt 20 Postauto-Minuten hinter dem Ort: ein Walserdörfli auf 1.861 Metern, ein Kirchlein von 1699 – und ein Wasserfall für alle.
Nach den langen Kurven der Sertigerstrasse öffnet sich das Tal – und du stehst vor einem Bild, das fast zu perfekt wirkt: eine Handvoll Häuser und Ställe, ein strahlend weißes Kirchlein, dahinter die Gipfel von Mittagshorn, Plattenflue und Hoch Ducan. Graubünden Ferien nennt das Sertig Dörfli einen Ort, „wo sich Rummel und Ruhe treffen“ – und genau so ehrlich solltest du es nehmen: An Schönwettertagen bist du hier nicht allein. Wie du beides bekommst, das Postkartenmotiv und die Stille, zeige ich dir in diesem Guide.
Das Tal und sein Dörfli
Das Sertigtal ist wie alle Davoser Seitentäler ein typisches Gletschertal mit Stufen und Riegeln – und es zählt zu den besonders schützenswerten Regionen der Schweiz. Ganz hinten, auf 1.861 m ü. M., liegt das Sertig Dörfli, eine kleine Walsersiedlung. Mehr als ein paar Häuser, Ställe und die Kirche gibt es hier nicht. Und genau das ist der Punkt.
Das Kirchlein „Hinter den Eggen“ von 1699 haben die Bauernfamilien des Tals einst gemeinsam gebaut – es gehört ihnen bis heute, und wer genau hinschaut, entdeckt ihre Hauszeichen an Balken und Emporenbrüstung. Anfang August lockt der traditionelle Sertigschwinget Zuschauer ins Tal. Fürs Einkehren gibt es drei Adressen: das Hotel Walserhuus Sertig (dort auch übernachten – Verfügbarkeit prüfenWerbung), das Gasthaus Zum Bergführer im Dörfli und die Mühle Sertig weiter unten im Tal.
Ducan-Wasserfall und Wanderungen
Der Klassiker startet beim Gasthaus Zum Bergführer: Der fast ebene Weg zum Ducan-Wasserfall hinten im Tal ist knapp vier Kilometer lang und in rund einer Stunde hin und zurück gelaufen – bis kurz vor den Fall sogar mit dem Kinderwagen. Wenn du im Sertigtal nur einen einzigen Spaziergang machst, dann diesen.
Mehr Zeit? Dann wandere ins Tal, statt hineinzufahren: Ab Clavadel sind es gut zwei Stunden und rund 360 Höhenmeter bis ins Dörfli – zurück bringt dich der Bus. Für Geübte ist das Sertig außerdem ein Sprungbrett: Durchs Chüealptal steigst du zum Sertigpass auf 2.739 m und weiter Richtung Keschhütte und Bergün, über die Fanezfurgga auf 2.578 m geht es hinüber nach Monstein. Beides sind echte Bergwanderungen für einen ganzen Tag, keine Spaziergänge. Mehr Routen findest du unter Wandern in Davos – und wann sich das alles am besten läuft, unter Davos im Sommer.
Winter im Sertigtal
Im Winter wird das Tal stiller – aber bleiben wir ehrlich: Der Winterwanderweg ins Sertigtal verläuft entlang der auch im Winter befahrenen Straße. Die Kulisse entschädigt, doch wer einsame Pfade sucht, findet im rund 160 km großen Davoser Winterwandernetz bessere Kandidaten – Tipps dazu unter Winterwandern in Davos.
Das eigentliche Winter-Argument ist die Loipe: Die klassische Sertigtal-Loipe zieht sich 7,6 km von Frauenkirch am Sertigbach entlang taleinwärts, knapp 380 Höhenmeter stetig bergauf. Oben wartet die Einkehr, zurück geht es bequem mit dem Bus. Wer es rasanter mag, mietet im Walserhuus einen Torggler-Schlitten für die Fahrt talwärts. Und Skitourengeher wie Eiskletterer finden rund ums Tal ebenfalls lohnende Ziele.
Anreise: So machst du es richtig
Die entspannteste Variante ist der Bus: Die PostAuto-Linie 8 fährt ab Bahnhof Davos Platz mindestens stündlich, tagsüber teils halbstündlich, über Clavadel ins Tal. Nach knapp 20 Minuten stehst du im Dörfli, die Endstation Sertig Sand liegt noch ein paar Minuten weiter talein. Warum der öffentliche Verkehr in Davos generell die bessere Wahl ist, liest du unter Davos ohne Auto.
Mit dem Auto nimmst du die kurvige Sertigerstrasse ab Frauenkirch. Beim Walserhuus gibt es einen gebührenpflichtigen Parkplatz mit 42 Plätzen – reservieren lässt sich dort nichts, und an schönen Wochenenden ist das schnell knapp. Mein Rat: Lass den Wagen in Davos stehen und nimm den Bus. Wer es nostalgisch mag, fährt übrigens mit der Pferdekutsche ins Tal – auch das hat im Sertig Tradition.