
Historie · Braukultur
Die Monsteiner Brauerei: Bier auf 1.625 Metern
Wie sich ein 180-Seelen-Dorf bei Davos im Jahr 2000 eine eigene Brauerei baute, warum die Dividende in Bier ausbezahlt wird – und was du beim Besuch heute erlebst.
Wer in der Davoser Geschichte stöbert, landet fast immer bei Sanatorien, Liegehallen und dem „Zauberberg" – auf der Schatzalp ist diese Ära bis heute greifbar. Dieses Kapitel hier ist jünger, kleiner und deutlich bodenständiger: Es handelt von einem 180-Seelen-Dorf, das sich im Jahr 2000 kurzerhand eine eigene Brauerei zulegte.
Monstein gehört zu Davos, fühlt sich aber wie eine eigene Welt an: ein Walserdorf auf 1.625 Metern, mit dunklen Holzhäusern und Lärchenschindeln auf einer Sonnenterrasse hoch über dem Landwassertal. Und mitten im Dorfkern, in der ehemaligen Sennerei gleich neben der Kirche, sitzt eine Brauerei, deren Biere du heute bis in den Raum Zürich kaufen kannst. Mehr zum Dorf selbst liest du unter Monstein.
Vier Kollegen und eine Vision aus Bier
Im Oktober 2000 gründeten vier Kollegen – ein Jurist, ein Hotelier, ein Bauunternehmer und ein Grafiker – die BierVision Monstein AG. Der Firmenname war wörtlich gemeint: Aus einer fröhlichen Runde wurde ein fixer Entschluss, aus dem Entschluss ein Aktienprojekt fürs ganze Dorf. Als Standort wählten sie die stillgelegte, über 100 Jahre alte Dorfsennerei. Am 6. Juni 2001 nahm die Brauerei den Betrieb auf – als damals höchstgelegene Brauerei der Schweiz und erste Schaubrauerei Graubündens.
Beim Superlativ lohnt sich Ehrlichkeit: Die „höchstgelegene Brauerei Europas" liest man bis heute in vielen Artikeln, doch dieser Titel ist überholt. Die Brauerei selbst sieht das längst entspannt und nennt ihren Standort schlicht „eine der schönst gelegenen Brauereien Europas". Ihr englischer Slogan bringt es sowieso charmanter auf den Punkt: „Last Beer Stop before Heaven".
Das Dorf ist Aktionär
Das Besondere an Monsteiner ist weniger die Höhenlage als das Modell dahinter. Die AG gehört heute 1.460 Aktionärinnen und Aktionären, die zusammen 5.400 Aktien halten – breit gestreut, ein guter Teil davon in der lokalen Bevölkerung. Die Dividende ist, Originalton der Brauerei, „eher bescheiden, aber reell: zwei Liter Bier für jeden Teilhaber". Wer heute einsteigen will, kommt übrigens nur auf eine Warteliste – Aktien werden derzeit keine verkauft.
Rund 300.000 Liter Bier verlassen die alte Sennerei pro Jahr. Dass es nicht immer rund lief, gehört zur Geschichte dazu: Zwischen 2008 und 2011 brachte eine fehlerhafte Abfüllanlage das Unternehmen in ernsthafte Schwierigkeiten, erst 2017 lag der Umsatz erstmals über einer Million Franken. Geblieben ist die Verankerung im Dorf: Die Etiketten gestaltet mit Lorena Paterlini eine Illustratorin und Älplerin aus der Region, der Biertreber geht als Futter an Davoser Bauern, gebraut wird mit Strom aus Wasserkraft.
Was du heute erleben kannst
Die Brauerei ist auf Besucher eingestellt, aber – ehrliche Ansage – kein Museum mit täglichen Öffnungszeiten. Fixe Anlaufstelle ist der Freitag: Von 16 bis 19 Uhr gibt es Direktverkauf ab Brauerei, du kannst dich frei umsehen und triffst mit etwas Glück den Brauer. Alles andere läuft über Anmeldung: das „Bier-ABC", eine geführte Besichtigung mit Degustation, das Brauseminar, bei dem du unter Anleitung selbst ein Bier braust, oder der Brauer-Apéro im Gambrinus-Keller. Termine checkst du am besten direkt bei der Brauerei.
Beim Probieren hilft ein Blick auf die Walserdialekt-Namen im Sortiment: Huusbier als helles Alltagsbier, Wätterguoge (Amber), Steinbock (Bockbier), Mungga (Leichtbier) oder Schwarzbär (Schwarzbier) – mehrere davon sind beim Swiss Beer Award ausgezeichnet worden. In Davos bekommst du Monsteiner unter anderem bei Coop, Spar und Volg sowie in etlichen Restaurants und Hotels. Mehr regionale Produkte findest du unter Davoser Spezialitäten.
So kommst du hin
Mit dem ÖV fährst du ab Davos mit dem Bus der Linie 301 Richtung Davos Glaris und steigst dort auf die Linie 310 nach Davos Monstein Dorf um. Sportlicher ist der Monsteiner Bierpfad: eine buchbare Rundwanderung ab Monstein über Oberalp und Laubenalp, 6,9 Kilometer, gut zwei Stunden reine Gehzeit – buchbar von Mai bis Ende Oktober, jeweils Dienstag bis Sonntag. Wenn du lieber nostalgisch reist: Die Brauerei bietet auch eine Anfahrt im Oldtimer-Bus ab Davos Platz an. Weitere Touren findest du unter Wandern in Davos.