
Historie
Vom Sanatorium zum Hotel: Davos' zweites Leben
Bevor Davos Skiort wurde, war es Lungenkurort – mit Liegehallen, Fieberthermometern und Patienten aus halb Europa. Viele der großen Häuser von damals stehen noch. Heute schläfst du in ihnen: die Geschichte der Verwandlung.
Dass ausgerechnet die dünne Höhenluft auf 1.560 Metern Davos groß gemacht hat, verdankt der Ort einem Landarzt: Alexander Spengler verschrieb seinen Tuberkulose-Patienten ab den 1860er-Jahren Davoser Bergluft – und legte damit den Grundstein für einen Boom, der ein halbes Jahrhundert anhielt.
Um 1900: Der Kur-Boom
Um die Jahrhundertwende war Davos voller Sanatorien und Kurhäuser. Das ehrgeizigste Projekt eröffnete 1900 hoch über dem Ort: Der Niederländer Willem Jan Holsboer ließ von 1898 bis 1900 das Sanatorium Schatzalp bauen – ein Jugendstil-Luxushaus auf 1.861 Metern, in dem wohlhabende Patienten aus ganz Europa um die Plätze konkurrierten. Erreichbar war es standesgemäß: mit der eigens gebauten Standseilbahn von 1899.
1912: Ein Besucher namens Thomas Mann
Die berühmteste Episode der Kur-Ära dauerte nur drei Wochen. 1912 besuchte Thomas Mann seine Frau Katia, die im Waldsanatorium kurte – und machte aus dem Erlebten zwölf Jahre später den Jahrhundertroman „Der Zauberberg" (1924). Wie sehr das Buch bis heute auf dem Ort liegt, liest du in unserem Überblick zu Geschichte & Kultur.
Das Ende der Liegekur – und der Neuanfang
Mit den Antibiotika nach dem Zweiten Weltkrieg endete die Tuberkulose-Kur, und Davos stand vor der Frage, was aus all den Kurpalästen werden sollte. Die Antwort prägt den Ort bis heute: Die Schatzalp wird seit 1953 als Hotel geführt, aus dem Waldsanatorium wurde das Waldhotel, andere Häuser wurden Kliniken, Sporthotels oder Kongress-Unterkünfte. Die Liegebalkone, breiten Flure und Südveranden von damals sind geblieben – heute stehen Sonnenliegen statt Krankenbetten darauf.
Stand: Juli 2026. Quellen: schatzalp.ch (Kultur/Geschichte), davos.ch (Thomas Mann & der Zauberberg). Titelbild: Luftaufnahme vom 17. August 1934, ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz (LBS MH01-008046) – gemeinfrei.
